Flyer-Fieber: Auf der Suche nach Bekloppten

Ein paar Stunden im Juli am Küchentisch meiner Freundin Julia. Wassertropfen rutschen in Bob-Formation am Eiscafé-Glas herunter und sammeln sich unten in einem grauen Schwimmring. Julia gibt mir einen Bleistift.

Flausenfestival im Kopf trifft auf weißes Blatt. Meine Botschaft muss klar sein: Ich suche bekloppte Leute, die mit mir nach Georgien radeln, 2021.

„Reisepartner gesucht“ – klingt nach Single-Kaffeefahrt mit 36-teiligem Besteckservice und vergilbten Kopfkissen. „Radeln bis nach Georg-ien“ – puuuh, „Ich, w, 29, suche Abenteurer*innen“ – ist zwar ein Eyecatcher, könnte aber vielleicht doch die falsche Klientel ansprechen.

Also so: „Abenteuer*In gesucht – von Freiburg nach Georgien mit dem Rad 2021!“ Das ist es. Vorsichtig entferne ich die Schutzfolie des Stempelkissens. Meteoriten-Muster am Plastikscheibchen. Julia holt zwei rechteckige Holzkisten hervor. Deckel ab, Duft der Vergangenheit raus. Schwarze Buchstaben schauen mich erwartungsvoll an. Julia hat die Kästen aus einer alten Druckerei gerettet. Was für ein Schatz!

Ich stempel los. Jeder Buchstabe taucht ins schwarze Kissen ein und drückt dann seine Oberfläche aufs Papier wie ein Gesicht gegen Fensterglas. Es dauert, aber der Look gefällt mir. Irgendwie schief, nicht perfekt (Schreib me anstatt Schreib mir), es hat Charakter.

Zeit vergeht. Ich puste ein bisschen, dann landet dieser DinA4-Beginn des Abenteuers in meiner Fahrradtasche. Direktion: Kopierer im Büro. Unterwegs fällt mir auf, dass ich „Abenteuer*in“ falsch geschrieben habe. Oh no! Wo ist das „R“? Es ist nicht da. Ich schnibbel und klebe. Dann ist es da. Von weitem sieht der Flyer wie ein Drohbrief aus. Warum nicht. Ich drohe allem Alltäglichem und Gemütlichem, das nach Komfortzone schmeckt.

Wenn der Regen weiterzieht, wird plakatiert. Vielleicht nachts mit einer Strumpfhose über dem Kopf, vielleicht auch einfach nach der Arbeit, im Abendsonnenschein. Das Herz schlägt, sowieso.