Incontinent-al unterwegs

Knudsen tropft, ich bin arbeitslos und der Sommer ist vorbei – dann mal PC runterfahren und begraben. Was sich nach emotionaler Apokalypse anhört, ist eigentlich ein wunderbarer Neuanfang.

Ich bin zwei Wochen zuhause. Hier gibt’s Lichtschalter, Heizkörper und doppelseitiges Klebeband. Mein Vater hat extra am Warmwasserboiler herumgefingert. Wenn er könnte, würde er wohl einen Stausee mit heißem Wasser für mich anlegen.

Jeden Tag ist Sonntag. Alle wollen mir Gutes tun, Völlerei statt Verzicht. Meine Mutter schöpft ihr gesamtes Backofenrepertoire aus, eine Schwester schenkt mir eine samtweiche Schlafmaske, die andere kredenzt mir eine wahnsinnig gute Eisschokolade. Ich lasse mich verwöhnen und wippe im Schaukelstuhl zu den Lieblingsschlagern meiner Mutti mit.

Irgendwann breche ich aus, der Pyama ist zu kleinkariert, der Herzschlag zu langsam. Opfer meines Aktionismus, natürlich Knudsen. In einem Affenzahn geht’s zum Stoffladen. Dritter Gang. Veränderung. Vierter Gang. Neue Farben. Fünfter Gang. Funktioniert nicht. Das Resultat: eine pinke Hölle. Keine Ahnung, was mich beim Kauf des pinken Stoffs mit Sonnenblumenmuster geritten hat. Es sieht scheußlich aus. Voll girly, barbie-esk.

Meinen Frust lasse ich an der Tischdecke aus. Abmessen ist nicht mehr, die Nähmaschine soll bluten. Sie quält sich durch die Fetzen.

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Die hässlichste Tischdecke der Welt. Powered by Aggressivität und Frust.

Ich betrete mein Wohnmobil und habe das Gefühl, dass mir eine diabolische Hello-Kitty-Version ins Gesicht springt. Kratsch, zurück zum Stoffladen. Alles nur kein Pink. Am besten gar keine Farbe.

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So sieht Seelenfrieden aus.

Innen jetzt hui, außen aber pfui. Denn: Knudsen ist inkontinent. Auf dem Asphalt hinterlässt er einzigartige Öl-Gemälde, vermischt mit edlen Dieseltropfen.

Der Tank hat im oberen Drittel einen Riss und die Ölwanne ist durchgerostet. Ersatzteile sind äußerst schwer zu bekommen und WoMo-Windel habe ich noch nie gesehen. Der Fachmann sagt: Knudsen ist eigentlich nicht mehr zu retten. Nach Freiburg (neuer Job) komme ich wohl noch, danach kommt das Glück.

Ist Knudsens Blasenschwäche ein Zeichen? Soll ich zurück in eine normale Wohnung? Mit Fußmatte und Dreifachsteckdosen? Meine Gedanken formieren sich gerade zu einem Katzenbuckel. Unter uns: Ich will im WoMo wohnen bleiben. Aber: Ich möchte auch Freunde einladen, ihnen die Möglichkeit geben, sich duschen zu können. Sie sollen sich wohlfühlen. Auch im Winter. Daher werde ich mir wohl eine Bude suchen. Ganz klein, ohne viel Schnickschnack. Und Knudsen? In Freiburg gebe ich eine Annonce auf. „Suche Bastler für Wohnmobil“. Dann meldet sich hoffentlich ein ultra gelangweilter Rentner oder ein junger Spund, egal. Irgendjemand, der gerne schraubt. Knudsen aufgeben will ich nicht. Wir halten zusammen in guten wie in schlechten Zeiten – bis dass der Tod uns scheidet oder der Keilriemen reißt.

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