Orange is the new Alarmstufe Rot

Ein Anekdötchen am Rande: Gestern war ich auf einem Konzert. Auf der Rückfahrt von Karlsruhe nach Baden-Baden leuchtete plötzlich meine Tankanzeige auf. Knallorange. Mein Gesicht  – erstrahlt von dieser mir zuvor unbekannten Lichtquelle – spiegelte sich in der Windschutzscheibe. Gut, ich hatte schon ein Weilchen nicht mehr getankt und ich muss zugeben, dass ich eher zu den 15-Euro- statt Volltankerinnen gehöre, aber hey, dass Knudsen zur Dramaqueen mutiert, hätte ich ja nicht ahnen können. Mitten in einem Waldstück, auf dem Weg zum SWR, beginnt der Motor zu stottern, dann rumpelts noch zweimal, dann Total-Stillstand. Es ist 23 Uhr 44. Knudsen steht schräg auf einer Kreuzung, zu schwach, um links abzubiegen. Die Straße ist abschüssig.

Ich fummel an der Handbremse rum und lasse mich an den Seitenrand zurückrollen. Was nu? Ich kann Knudsen nicht nach Hause schieben. Ich könnte mit einem Kanister zur nächsten Tanke laufen. Aber in diesem Wald gibts Wildschweine und keine Straßenlaternen. Ich könnte auch einfach hier übernachten. Ich meine, so schlecht ist der Platz nicht. Es ist zappenduster – was im Gegensatz zum hell erleuchteten SWR-Parkplatz auch einige Vorteile bietet. Bevor mir aber eine vierte Option durch den Kopf schießt, taucht zwischen den Baumstämmen ein Licht auf.

Ein älterer Herr mit vollem Haar und etwa 60 Kilo auf den Rippen hält an. „Können Sie mich bis zur nächsten Tankstelle mitnehmen?“ „Jo.“ Ich flitze zum Wohnmobil und hole Geld, Kanister und Handy aus der Kiste. Dann fahren wir gemeinsam durch den Wald. Er sagt nichts, ich plappere los: Konzert, Akkordeon, Karlsruhe, nicht getankt, haha, orange, huch, rumms, aus, zurückrollen, voll Glück, rausschmeißen hier. Taxi. Zurück.

Wir nähern uns der Tanke. „Isch fahr Sie dann au scho wieder hoch.“ „Wow, Danke, was kann ich Ihnen schenken?“ Stille.

Überforderung in der Tanke. Was bringe ich meinem Retter in der Not mit? Ein Schmuddelheft, ein Paar neue Scheibenwischer oder vielleicht ein Duftbäumchen in Herzform? Was geht nochmal durch den Magen? Achja, Liebe. Also hole ich ihm eine große Tafel Schokolade mit Extra-Nussstücken. Seine Begeisterung hält sich mehr als in Grenzen. Vielleicht hätte ich doch lieber ein Heftchen mitbringen sollen.

Wir fahren wieder zurück. Ich frage ihn, ob mein Auto jetzt kaputt ist. Er sagt: „Da isch scho vielleicht Lufffdt im Tank.“ „Oh Gott, heißt das, dass mein Auto explodieren wird?“. Keine Reaktion.

Im Lichte seiner Scheinwerfer gebe ich dem dehydrierten Knudsen wieder etwas Trinken. Es macht so herrlich Gluckgluck – da muss sogar mein angegrauter Superheld ein bisschen lächeln.

 

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