Airbnb in Paris: 12 Tage ohne ihn

Schlüssel mit rundem Kopf für die Wohnungstür, Schlüssel mit schwarzem Gummiüberzug für die Haustür. Mein Airbnb-Gastgeber ahnt nicht, wie sehr ich mich darüber freue, in den nächsten Tagen durch echte Haustüren zu gehen. Auf- und abschließen, zuklacken lassen, Flurradio hören.

Knudsens Reifen stehen still. Ich bin in Paris und ich gönne mir den totalen Luxus: eine 20 Quadratmeterwohnung, im 20. Arrondissement, mit Wasserhähnen und Steckdosen. 20.000 platzende Knallerbsen. Bäm!

Beruflich bin ich in der Stadt. Erst sollte Knudsen mit. Einen Stellplatz hatte ich bereits gefunden und ein Schwimmbad in der Nähe zum Duschen auch, aber ich gehöre einfach nicht zu den Menschen, die in Cafés gut arbeiten können. Ist doch viel interessanter den Barman oder das Fliesenmuster zu studieren. Also Airbnb, ganz konventionell.

Als mein Airbnb-Gastgeber endlich das Weite sucht, lege ich mit Hampelmännern und Handstandversuchen los. Platz, Platz, Platz. Den Kühlschrank nehme ich direkt vom Stromnetz. Er rattert mir zu laut. Danach verteile ich Klopapierrollen in der Wohnung. Super praktisch, aber ja, ich realsiere, dass dieses Wohnmobil-Leben Spuren hinterlassen hat.

Eine andere Verhaltensauffälligkeit: Klamotten ausziehen, Augen schließen und irgendwo hinpfeffern. Ist das genial, mal so richtig schlampig sein zu dürfen. Auch im Geschirrbecken Rock’n’Roll pur. Eine Socke hängt halb im Abfluss. Müslischüssel türmen sich. Jeden Tag, neues Geschirr und neue Töpfe. Zwei habe ich bereits versengt. Der Elektroherd und ich werden keine Freunde mehr.

Noch ein Vorteil: das Bett ist gerade. Ich muss nicht die Wasserwaage bemühen, keine Holzkeile ausrichten oder einen Kissenschlauch unter meinen Schienbeinen verlegen. Es ist gerade. Einfach so.

Gerne hätte ich noch mehr Zeit in Paris verbracht und, wenn ich ehrlich bin, auch in der Wohnung. Aber Baden-Baden is calling und ich will Knudsen die Treue halten – zumindest bis September. Danach werden die Karten neu gemischt.

Züm Schlüss noch eine Sound-Collage vom Gare de l’Est. Da stand auf einmal dieses Klavier. Und dieser Pianist, über 70, hat sich mit 41 das Klavierspielen selbst beigebracht. Tausende Menschen hasten an ihm vorbei. Zwei Soldaten in Tarnkleidung tippen mit ihren Zeigefingern auf dem Abzug herum. Und er spielt und ich bekomme Gänsehaut. Immer noch.

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