Schwein gehabt.

„Aus versicherungstechnischen Gründen dürfen wir Ihnen leider nicht helfen.“ Entsetzen in meinen Augen. Alarm-für-Cobra-11-Szenen in meinem Kopf. Mit zwei prall gefüllten Gasflaschen stehe ich am Obi-Infopoint. Mein altes Gas ist aufgebraucht. Meine Stromeltern sind weit weg und mein Mut ist auch dahin. Was mache ich? Strategie Tränendrüse?  Strategie Dauer-Camper aus ihren Plastikstühlen hervorlocken und um Rat bitten oder selbst Hand anlegen? Wenn ich ehrlich bin, am liebsten Strategie 1: den Infopoint unter Tränenwasser setzen und das Mitleid der gesamten Kundschaft auf mich ziehen. Irgendwann wären die Obi-Männchen eingeknickt. Haha. Aber heulen, verdammt, das riecht nach Kindergarten und vollgepinkelten Unterhosen. Nein, ich bin groß und Gasflaschen schüchtern mich überhaupt nicht ein.

Mit meinen Fünf-Liter-Gasflaschen ruckele ich über das Pflaster des Parkplatzes. Hoffentlich kommt hier nicht gleich ein Feuerspucker um die Ecke. Mir ist mulmig zumute. Kurzer Blick über die Autodächer. Weit und breit kein Wohnmobil in Sicht. „Gasflasche anschließen“. Youtube spuckt ein paar Videos aus. Eine blonde Dame mit rosa T-Shirt sieht sympathisch aus. Ich löse die Schutzhülle, schließe den Gasschlauch an die Öffnung. Es riecht nach Gas. Gutes oder schlechtes Zeichen? Verzweiflung. Ich bremse einen schnauzbärtigen Mann in Trainingsanzug aus. „Hilfe“. Er schnappt sich sofort die Zange und fingert am Ventil herum. Ich flehe ihn an: „Bitte helfen Sie mir nur, wenn Sie das schon mal gemacht haben in ihrem Leben.“ Seine Antwort erstickt im Schnorres. Mit der flachen Hand klatscht er auf die Gasflasche. „So, müsste jetzt passen.“ Er zieht davon. Ich traue ihm nicht. Und noch weniger den zwei Flaschen. Ich feuchte Toilettenpapier mit Spüli an und tupfe den Anschluss ab. Keine Bläschen. Gutes Zeichen. Ich drehe die Gasheizung auf. Mit einem Bein stehe ich draußen, falls ich, wie in den Stunts, blitzschnell zurückweichen und mich auf den Boden abrollen muss. Nichts passiert. Es wird einfach nur warm. Ich drehe die Heizung auf, nehme meine Wertsachen mit und schlafwandle durch den angrenzenden Kaufland. In diesem Land fühle ich mich sicher. Zwischen Damenbinden und Wattestäbchen kann mir nichts passieren. Was solls, wenn meine Bude in die Luft geht? Ich lebe. (Wenn die Story hier jemals verfilmt wird, dann wünsche ich mir genau jetzt einen Split Screen.)

Vier Tage später lebe ich immer noch. Die Heizung läuft. Mein Teekessel qualmt. Ich komme zurecht – auch ohne Volt und Watt.

Knudsen und ich machen Ferien auf dem Bauernhof. Bauer Ekkehard ist ein witziger Typ, nur seine Steckdosen will er nicht hergeben. Kein Grund zur Trauer. Es ist einfach eine neue Herausforderung. Level 2. Von Schiggy zu Turtok.

Wenn ich die Augen schließe und meine Nasenflügel weit ausbreite, dann rieche ich jetzt vier Klauen, zwei Hörner und Gülle, Gülle, Gülle. Das Räucherstäbchen mit Kuhmist-Aroma stört mich keineswegs. Ganz im Gegenteil. Es erinnert mich sogar an die Heimat. Für mein Exil-Dasein am Bodensee, Balsam für die Seele.

Ansonsten muss ich mich noch besser als vorher organisieren. Duschen im Keller des Studios. Computer und Handys im Büro aufladen. Wasserflaschen befüllen und abends alles wieder nach Hause schleppen. Nach Feierabend endlos surfen und durch die Welt chatten – ist nicht drin. Meinen Medienkonsum muss ichgenau dosieren. Ein Youtube-Video anschauen oder doch lieber ein Album auf dem PC anhören? Jede Minute zählt. Besonders krass am Wochenende. Meine Handys sind tot. Mein PC hat nur noch 37 Prozent. Licht spendet mir ein solarbetriebenes Lämpchen, das ich via USB-Kabel aufladen kann. Danke, Farina, für dieses nützliche Weihnachtsgeschenk. Solange die Gasheizung läuft, traue ich mich nicht, Kerzen anzuzünden. Wahrscheinlich vollkommen sinnlos die Bedenken, aber so ein Gas hat einfach Power. Erst kürzlich habe ich mir einen Teil meines Ponys weggefeuert. Und das nur mit einem läppischen Gaskocher. Also, wann immer es geht, runter vom Gas.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s