Vorher, nachher

Sich wohlfühlen. Das ist so eine Sache. Als ich mir vor drei Wochen mein neues Zuhause gekauft habe, ist der Wohlfühl-Funke nicht sofort übergesprungen. Der Muff der Vorbesitzer hing noch in den Schränken. Der Geruch war nicht unangenehm, aber auch nicht einladend. Eine Mischung aus Moos, gebrauchten Tennissocken und warmen Handtüchern. Ich benutzte fremdes Geschirr, lag auf einer fremden Matratze und krümelte mich in einen briefmarkendünnen Schlafsack. Es fühlte sich an, wie ein Feuerwerk, das von Büschen verdeckt wird.

Ich wartete also sehnsüchtig auf meinen Urlaub, Ende September. Endlich in den Norden, endlich nach Hause, zu meiner Familie. Die 10-Stunden-Fahrt war anstrengend. Auf den letzten hundert Kilometern bin ich im Windschatten eines roten LKW gefahren. Als er langsam auf die Ausfahrt „Meppen“ zurollte, habe ich mich mit „Goodbye, my Lover“ von ihm verabschiedet. Ich war absolut gar im Kopf.

Eine Mütze Schlaf und alle Synapsen waren wieder an Ort und Stelle.

Am Mittwoch war ich erstmal shoppen. Neuen PVC-Belag, Spraydosen und eine Daunenbettdecke. 80% Daunen, 20% Federn. Mein Tierversuch gegen kalte Füße.

Mit meinem Schwager habe ich dann am Donnerstag losgelegt. Der Anfang war Kamikaze pur. „Meinst du, der weiße Lack aus der Sprühdose macht sich gut an der Decke?“, „Sollten wir eigentlich vorher beim TÜV anrufen und nachfragen, ob wir einen Oldtimer überhaupt im Innenraum verändern dürfen?“, „Achso, wir legen beim Streichen keine Folie aus?“

Mein Schwager ist ein Macher. Da wird nicht lange geschnackt, da wird losgeschraubt. Was kann schon schief gehen? Mein einziger Wunsch: Die nächsten 365 Tage nicht in einem Eichen-Fake-Furnier verbringen, das dunkel und verlebt aussieht. Es sollte heller werden. Daher der Plan: die Decke in weiß und die Türen in elfenbein ansprayen. Einen Abend lang habe ich aktiv meine Lebenserwartung nach unten gesprayt. Dann war mein Werk vollbracht. Am nächsten Morgen war ich total enttäuscht. Es sah aus wie vergammelter Käse. Also Plan B. Ich bin wieder in den Baumarkt gefahren, der übrigens „Nix wie hin“ heißt und habe literweise weiße Lackfarbe besorgt.

Die Decke haben wir dreimal, die Schranktüren und den Rest zweimal gestrichen. In meinen Haarsträhnen klebt immer noch weiße Farbe. Macht mich irgendwie älter und reifer. Lass ich drin.

Nach der Farbe folgten Boden und Licht. In der Nachbarschaft meines Schwagers vertickt eine Holländerin ziemlich viel Stuff. Wir haben sie liebevoll Lampenuschi getauft. In ihrem unerschöpflichen Fundus – auch drei 220 Volt Lampen mit An- und Ausknopf. Gar nicht so einfach zu finden. Auch hier hat mein Schwager alles gegeben und noch einen anderen Nachbarn mit Messgerät mobilisiert.

Schweißüberströmt hat er mir dann noch zwei Platten aus einem Baumstamm herausgesägt und diese mit zehn Zentimeter langen Powernägeln verbunden. Fertig war der neue Tisch. Genial.

Schlussakkord, Trommelwirbel und Sahnehäubchen bildete dann das Öko-Klo. Wieder war es mein Schwager. Aber dieses Mal der Freund meiner anderen Schwester. Im Baumarkt habe ich mir OSB-Platten zurechtschneiden lassen, einen Kinder-Klodeckel, viele Winkel, eine Packung Kleintierstreu und einen Eimer mit Deckel geholt. Im „Badezimmer“ hat mein Schwager das Klosett zusammengezimmert. Das war wirklich Maßarbeit, aber es passt. Der Thron ist echt gemütlich. Und vor allem nachhaltig. Aber mehr dazu ein anderes Mal.

Resümee mit einer Extraportion Pathos: In diesem Wohnmobil steckt so viel guter Wille, Energie und Schweiß. Als ich meiner Familie zum Beispiel von der Idee mit dem Öko-Klo erzählte, haben sie den Kopf geschüttelt und mich dennoch unterstützt und Stichsägen besorgt. Ich schicke meinen Nordlichtern ein wolkenkratzendes Danke und umarme euch. Hier die Bilder:

V O R H E R

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N A C H H E R

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Ein Kommentar zu „Vorher, nachher

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